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oben/unten ("monika & peter"): aus "heimkinder", berlin (ost) 1958
beispiel der in ost wie west nahezu gleichen "heimpropaganda", die hier mit hilfe der (offiziellen) "heimfotografie" die realen verhältnisse in den kinderheimen verzerrt bzw. umkehrt, denn:
aus sozial und medizinisch gesunden (klein-)kindern wurden erst im (säuglings-)heim
an seele und körper erkrankte kinder.
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depriviertes heimkind, 1950er Jahre (aus: "heimkinder", berlin (ost), 1958)

postkarte (sic !), kinder- und säuglingsheim "marienheim", baschenegg - post 86514 ustersbach, 1950er jahre, "unsere kleinsten"
typisches säugligsheim der nachkriegszeit unter konfessioneller leitung, in solchen heimen war die sterblichkeitsrate der kleinkinder doppelt so hoch wie die von kindern, die in ihren familien aufwuchsen.(vgl. m. mausshardt, 1962, siehe literaturhinweise)
um wen und was es geht
es geht um die unterstützung
derer,
die zu ihrer eigenen
"heimbiografie"
recherchieren wollen.
und es geht es um kinderheimgeschichte.
in der das leben der heimkinder
im fokus steht.
hintergrund
allzuoft ist kinderheimgeschichte (bis heute)
nur ein „falsches hohelied“ auf heimleitung und heimträger,
(fast) immer aber ohne den blickwinkel der ehemaligen heimkinder.
bis heute werden ehemaligen heimkindern
regelmäßig informationen (akteineinsicht etc.)
zu „ihren“
ehemaligen kinderheimen von den
zuständigen stellen verweigert.
manipulative interessen, ignoranz, inkompetenz,
desinteresse, „übergeordnete“ interessen
von vertretern der jugendämter, kirchen & co.
sind nur eine auswahl von gründen
für deren blockadehaltung. bis heute.
schwerpunkt des kihA
ein schwerpunkt des kihA bildet der zeitraum
der zweiten nachkriegszeit,
d.h. von 1945 bis in die 1970er Jahre
insbesondere: die geschichte(n) der jüngsten heimkinder,
d.h. den kindern, die in einem sog. "säuglingsheim"
ihr leben begonnen haben.
biografische besonderheiten eines
säuglingsheimaufenthaltes
nicht erinnern können
im gegensatz zu älteren heimkindern
haben die ehemaligen säuglingsheimkinder
(bis zu einem lebensalter von etwa drei jahren)
i.d.r. keine eigene erinnerung an
ihre zeit im säuglingsheim. keine erinnerung heißt aber gerade nicht, dass die lebenszeit im säuglingsheim keine ggf.
lebenslange negative wirkungen auf die persönlichkeitsentwicklung/das verhaltensrepertoire der betroffenen entfalten konnte.
nicht wissen können
hinzu kommt, dass ihnen auch in späteren lebensjahren
ein solcher säuglingsheimaufenthalt von der leibl. mutter/
den verwandten nicht selten verheimlicht wurde/wird.
zu denken ist hier aber auch an die kinder,
die in pflege- bzw. adoptivfamilien heranwuchsen.
oftmals wurden die adoptiveltern über die
herkunft des angenommenen kindes im unklaren
gelassen (oder diese wollten kein ehemaliges heimkind
in der familie haben und verheimlichten es selbst).
lückenlose autobiografie:
zentrale soziale & psychische funktion
die eigene autobiografie ist ein
soziales und psychisches konstrukt,
das die meisten menschen,
„ohne großes aufhebens und bewußtsein
mit sich herumtragen“.
unsere autobiografie stellt dabei keinen
abgeschlossen endzustand dar, sondern wird
situativ konstruiert, korregiert, aktuallisiert,
quasi jeden tag neu.
diese autobiografie ist eine wichtiges inneres zentrum
für die selbststeuerung des sozialen verhaltens und empfindens
eines menschen.
ohne an dieser stelle weiter auf den autobiografischen
prozess eingehen zu können, ist an dieser stelle festzu-
halten, dass wahrgenommene lücken in der eigenen
(auto-)biografie, etwa in form von heimaufenthalten,
wahrgenommener symptomatik mit vermuteten
biografischen bezügen etc. das verhaltens- und
empfindungsrepertoire eines menschen stark beeinflussen
können (bspw.: „bindungsstörungen“).
eine solche biografische lücke (bspw.
ein verschwiegener säuglingsheimaufenthalt
und sich darauf ergebende symptomaktik,
wie bindungsstörungen) kann durch die
bemühungen der betroffenen in richtung
einer „heimbiografie“
von den betroffenen gemildert bis
„geschlossen“ werden.
eine solche „heimbiografie“ kann nur
selbstbestimmt und ohne bevormundung,
manipulation, etwa durch die heimträger
oder das personal von jugendämtern, von
den betroffene selbst erstellt werden.
säuglingsheime: deprivation & hospitalismus
mit langzeitfolgen
vom frühkindlichen hospitalismus betroffene
leiden oftmals lebenslang an den spätfolgen ihrer
frühkindlichen schädigungen,
ohne selbst eine verbindung zu
ihrer lebenszeit im säuglingsheim
herstellen zu können.
ehemalige säuglingsheimkinder im erwachsenenalter:
1.] nicht-erinnern-können an die zeit im säuglingsheim/nicht-wissen
über den eigenen säuglingsheimaufenthalt und
2.] ggf. "gestaltwandel" der ursprünglichen hospitalismussymptome
an dieser stelle ist eine zweite "crux"
(neben dem nicht-erinnern-können/nicht-wissen)
festzuhalten: die „form“ der frühkindlichen hospitalismussymptome
wandeln im laufe des lebens ihre "gestalt", so dass ein ggf. bestehender
zusammenhang von "symptomen im erwachsenalter" und "frühkindlichen
hospitalismussymptomen" gerade für den oder die betroffene(n) selbst
kaum feststellbar ist (bspsw. enuresis und/oder jactatio im kleinkindalter vs.
bindungsstörungen im erwachsenenalter).
einmal davon abgesehen, dass er sich an seine frühkindliche symptomatik nicht
erinnern kann und von dieser zumeist erst im erwachsenenalter (wenn
überhaupt) durch erzählung dritter erfahren kann.
(zu den begriffen deprivation und hospitalismus, siehe „einführungstext“, für einen schnellen einblick, siehe „vortragsfolien“)
man hat es gewusst
die in dieser zeit verantwortlichen wussten um den hospitalismus der ihnen
damals anvertrauten kleinkinder (auch um dessen ggf. lebenslange
nachwirkung bei den betroffenen) und haben dies schlicht ignoriert, trotz
besseren wissens und vorhandener möglichkeiten damals bereits bekannte
methoden der hospitalismusvermeidung einzusetzen.
diese website reklamiert somit keine „erstausstrahlungsrechte“ für sich,
sie faßt nur zusammen was seit jahrzehnten bekannt ist und stellt alte fragen
neu.
dies ist - wie gesagt - kein selbstzweck, sondern soll der unterstützung
derjenigen dienen, die ihre zeit im säuglingsheim im erwachsenenalter
rekonstruieren wollen.
heimfotografie
erste, dabei typische einblicke in die eigene vergangenheit als „geliehene erinnerung“
für betroffene sind zeitgenössische fotografien
zu „ihrem“ kinderheim von großer
bedeutung, von hohem biografischem wert.
diese vermitteln oftmals authentische einblicke in den
kinderheimalltag, gewollt und ungewollt.
(zu den verschiedenen formen der „heimfotografie“ s.o.)
barrieren der recherchen
bisherige erfahrungen haben gezeigt, dass gerade
ehemaliges heimpersonal nicht selten zur prolongierung
seiner eingeübten rolle neigt, wenn
ihnen "ihre" ehemals anvertrauten kinder
als erwachsene gegenübestehen.
auch fällt es diesem oftmals schwer,
die eigene arbeit selbst zu hinterfragen bzw.
kompetent damit umzugehen,
wenn seine damalige rolle hinterfragt wird.
selbstkritische bewertungen des eigenen tuns
sind bis dato seltene ausnahmen. aber es gibt sie.
dies ist im übrigen nicht weiter überraschend,
denn warum sollte dieses heimpersonal heute
über die art von emphatie verfügen, die es bereits
in seiner aktiven zeit nicht gezeigt hat.
in vielen fällen trifft man allerdings auch auf heimpersonal,
welches seine "verdrängung" nicht in frage gestellt sehen will
und die kritische auseinandersetzung mit der eigenen
verantwortung in den damaligen säuglingsheimen
schlicht verweigert.
ob nun aus inkompetenz, desinteresse oder trägheit
ist an dieser stelle nicht von belang.
zöllibatäres personal im kinderheim
„kompetenz via kleiderordnung“
einsamer "spitzenreiter" in diesen verhaltenskategorien ist
- wenig überraschend -ehemaliges kirchliches (zöllibatäres)
personal.
so paradox es vor dem hintergrund christlicher werte
auch klingen mag, kirchliche sozialisation im caritativen
bereich zielte vor allem auf die anteilnahmslosigkeit gegenüber
den individuellen schicksalen der anvertrauten kinder
(deklaration dieses verhaltens als teil der professionellen berufsrolle).
dies gipfelte nicht selten darin, dass die heimkinder als
"kinder der sünde" (bspws. uneheliche kinder) als permanente
"bedrohung" ("versuchung") der eigenen moralischen
"reinheit" apostrophiert wurden.
auf der basis eines kruden sozialdarwinismus
waren heimkinder - auch in den säuglingsheimen
- nicht selten das objekt von "übertragungen" des
kirchlichen heimpersonals und deren unzulänglichkeit
sich mit der zöllibatären lebensweise zu arrangieren
(dies korrelierte zudem "reibungslos" mit dem in
den säuglingsheimen der nachkriegszeit vorherrschenden
pflegeleitbild nach czerny.).
dies erklärt auch das geradezu "heroische selbstbild"
dieser kreise, die nicht müde wurden in zeitgenössischen
darstellungen die arbeit im kinderheim als "aufopferung/
opfergang" darzustellen. so grotesk dies heute klingen
mag, so verbreitet war diese"selbstverortung" des
zöllibatären heimpersonals in den nachkriegsjahren
und sie ist bis heute in der konstruktion von verdrängung
und abwehr der eigenen aufarbeitung dieser zeit wirksam.
das autoritative auftreten von nonnen gegenüber klientel
ist vielerorts beschrieben worden und auch heute noch zu
beobachten. die geradezu grotesken „verkleidungen“ dieser
frauen, diente wohl auch der „verschleierung“ von schlichter
fachlicher inkompetenz.
man sollte nicht allzu viel erwarten, wenn man (sofern man
die gelegenheit bekommt), mit ehemaligem kirchlichen
heimpersonal ins gespräch kommt. das gilt für nonnen und
priester gleichermaßen.
noch viel zu viele meinen bis heute, die
informationsbedürfnisse der ehemaligen
heimkinder ignorieren zu könnnen.
wäre die nachkriegsgeschichte der öffentlichen
pflege und erziehung aber eine "erfolgsgeschichte"
gewesen, wären die vielerorts zu beobachtenden
beträchtlichen "investitionen" in informations-
und kommunikationsblockaden (seitens der
ehemals verantwortlichen) wohl kaum notwendig.
wie rigide dieses heimsystem gewesen ist, zeigt auch
die tatsache, dass das heimpersonal,
dass sich damals "anders" verhalten hat,
- es darf hier nicht übersehen werden, dass es dies auch gegeben hat –
heute nicht oder nur sehr zögerlich über seine
in jungen jahren vorgetragene kritik öffentlich spricht.
selbstbestimmte recherchen
am ende kann jeder betroffene für sich
entscheiden, ob er zu seiner heimbiografie
recherchieren möchte oder nicht.
wie weit und „tief“ er dabei gehen will und kann.
diese website ist aus der überzeugung entstanden,
dass jeder mensch ein recht auf eine lückenlose
(auto-) biografie hat.

beispiele aus der sammlung des kihA, die ganz unterschiedliche zeugnisse der kinderheimgeschichte umfasst:
beispiel: schwesternbroschen
eine kleine – exemplarische – sammlung von schwesternbroschen aus säuglings- und kinderheimen (des 20. jhrdts.) befindet sich im kihA; diese wird nur als nebengebiet geführt (für vertiefende angaben zur sog. „pflegephaleristik“ vgl. den gleichnamigen band von v. kozon, wien 2006).
bei diesen broschen fiel auf, dass die zumeist seriell gefertigten broschen oftmals das gleiche motiv zeigen :
einen scheinbar auf dem boden liegenden, gewickelten säugling,
der („hilfesuchend“) seine Arme ausstreckt.
über die herkunft dieses immer wiederkehrenden motives war bei den befragten ehemaligen pflegekräften und kinderkrankenschwestern nichts bekannt.
das www. half weiter: so führt die amerikanische vereinigung der kinderärzte dieses motiv ebenfalls in ihrem siegel und schließlich:
das motiv geht auf eine – in der kunstgeschichte der renaissence sehr bedeutende/bekannte - arbeit von andrea della robbia (1435 – 1525) aus florenz zurück.
das "ospedale degli innocenti" (hospital der unschuldigen) ist ein findel- und waisenhaus in florenz, manche quellen bezeichnen es als das erste findel- und waisenhaus in europa. die fassade, genauer die außenseite des säulenganges ist mit zehn(ursprünglich acht) kreisrunden, vollplastischen tonreliefes aus der hand von andrea della robbia verziert. diese "tondi" (einzahl: tondo = kreisrundes bildwerk, gemalt oder plastisch) sind in höhe der säulenkapitelle angebraucht und zeigen säuglinge bzw. kleinkinder.
diese "bamini della robbia" gelten als meisterwerke der renaissencekunst und weisen in ihrer ursprünglichen bedeutung auf den "verwendungszweck" des hauses hin und mahnen für manchen interpreten dabei den betrachter gleichzeitig zu "barmherzigkeit und mitleid".
das florentinische findelhaus wurde von dem ebenfalls bekannten architekten f. brunelleschi errichtet und für einige autoren ist mit der errichtung dieses gebäudes der beginn der renaissence zu markieren. gestiftet wurde das haus von zunft der seidenhändler in florenz.
damit erklärt sich auch die stilisierte verwendung des motives eines "bambino della robbia" auf den o.g. schwesternbroschen. dieses motiv soll eine chronologische verbindung zum ersten findel- und waisenhaus in europa symbolisieren und die tätigkeit der pflegekräfte in säuglings- und kinderheimen (auch: kinderkrankenhäusern) im lichte dieser tradition erscheinen lassen.

schwesternbroschen aus säuglings- und kinderheimen, deutschland, 20. jhrdt. (kihA)

tondo an der fassade des ospedale degli innocenti (findelhaus, florenz)
andrea della robbia, ca. 1463
die website wir seit märz 2012 vollständig überarbeitet, und ist erst in einger zeit wieder in der endversion vollständig online. für noch vorhandene tippfehler etc. wird um verständnis gebeten (fotografie: sammlung kihA).
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